Zahnpflege im Spiegel der Geschichte
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Bei der Bundeszahnärztekammer in Köln wurde ein Museum eingerichtet, das die Entwicklung der Zahnpflege dokumentiert. Kustor des Museums ist Herr Egon Peters, der sich mit dieser Thematik jahrelang beschäftigt hat, zahlreiche Exponate für dieses Museum erwerben konnte und sich kompetent der "Kulturgeschichte der Zahnpflege" gewidmet hat. Als Autor zahlreicher Fachbeiträge hat er sich als Kenner der Materie ausgewiesen. Wir zitieren aus seinen Veröffentlichungen: Was den modernen Menschen vielfach erst nach erheblichen Aufklärungsbemühungen zur täglichen Gewohnheit wird - nämlich die Zahnpflege - war schon bei den alten Ägyptern vor dreieinhalbtausend Jahren so selbstverständlich, daß sie die morgendliche Mundreinigung mit Natron in ihrer Umgangsprache als "Frühmal" bezeichneten. Ähnliche Popularität gewann die Zahnreinigung mit fasrig gekauten Zweigen, die in dem islamischen Kulturbereich Miswak oder Siwak genannt wurden. Die Verwendung fasrig gekauter Zweige wurde aber schon im altindischen Gesetzbuch von Manu (600 v. Chr.) erwähnt und in der berühmten altindischen Sammlung medizinischen Wissens (Susruta, etwa 400 n. Chr.) empfohlen. Als "Zahnpasta" benutzte man ein Gemisch aus Honig, Öl, pulverisiertem bengalischem Pfeffer, Zimt, Ingwer und Salz. Fasrig gekaute Zweige dienten in der vorislamischen Zeit den Arabern und afrikanischen Naturvölkern allgemein zur Zahnreinigung.
 
In nahezu allen Kulturen war der sogenannte “Zahnwurm“ bekannt, der angeblich Zahnfäule, heutzutage Karies genannt, verursachte und dem man mit einer Beschwörungsformel beizukommen versuchte. Während der Beschwörung wurde zusätzlich eine Mischung aus Emmer-Bier, gebrochenem Malz und Sesamöl auf den kranken Zahn gelegt. In Indien schwor man bereits um 600 v. Chr. auf eine Gurgelwasserrezeptur aus Senf, Bengalpfeffer, Ingwer und alkalischer Asche.
 
Als Zahnbürsten noch Geschichte waren
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Der Religionsgründer und Prophet Mohammed (570-632), war wohl einer der ersten überzeugten Zähneputzer der Weltbevölkerung, als er in Mekka den hygienischen Grundsatz mit hilfe des Miswak postulierte: „Ihr sollt euren Mund reinigen, denn dies ist der Weg für die Lobpreisung Gottes.“ Er schnitzte sich aus einer Wurzel ein kleines Holzstäbchen, dessen Ende er durch Kauen oder Plattklopfen auffaserte um hiermit die Speisereste aus den Zähnen zu entfernten. Wie wichtig ihm die Zahnpflege war, zeigt die Überlieferung, Mohammed habe in seiner Sterbestunde nicht gebetet, sondern nach seinem Kauholz verlangt.
Arabische Kaufleute und Sklavenhändler trugen den Miswak auf ihren Reisen bei sich, so dass nicht nur die Naturvölker Ost- und Westafrikas, die Türken und die Inder noch heute den Miswak zur Mundhygiene benutzten.
 
Miswak als Urgroßvater
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Ein solcher, im Arabischen heute noch verwendete Miswak, oder auch Siwak genannt, hat besonders in der Arabischen- und Islamischenwelt einen hohen kulturellen Stellenwert erlangt. Er wird aus dem Arak-Baum (Salvadora persica), der im gesamten Mittleren Osten, aber hauptsächlich in Saudi-Arabien beheimatet ist, meistens aus den Wurzeln, selten aus den Ästen oder der Rinde gewonnen. Die Hölzer sind bei einem Durchmesser von einem bis 1,5 Zentimetern, 5 bis 12 Zentimeter lang und von unterschiedlicher Härte. Vor dem Gebrauch wird der Miswak in Wasser gewaschen und an einem Ende gekaut, um eine aufgeweichte aber glatte, faserige, büschelige Bürste zu erhalten. In Untersuchungen Anfang der 80er Jahre wurde ein Fluoridgehalt von acht bis 22 ppm/F festgestellt, was in doppelter Hinsicht die Effezienz der Oralprophylaxe des Healthy Stick als optimales „Pflegemittels“ bestätigt.